Erste Eindrücke vor Ort: der Kindergarten of Joy

Unser Mitglied Andrea beschreibt ihre ersten Eindrücke im Kindergarten of Joy:

Im Kindergarten sind mehrere Lehrer, Betreuer und Köche beschäftigt, die sich um ca. 100 Kinder kümmern. Um mehr Kapazität zu haben und sich interkulturell auszutauschen sowie inspirieren zu lassen, hat Albert angefangen über workaway Freiwillige aufzunehmen. Aktuell sind neben mir zwei andere Freiwillige aus Belgien und Finnland da, die super nett sind. Es ist echt schön, nicht ganz allein aus einer "anderen Welt" zu kommen; denn so fühlt es sich hier manchmal an. Ganz nach dem Motto: back to the roots.
Da jetzt spontan, genau als ich angekommen bin, die angekündigte Ferienzeit von einer Woche auf einen Monat verlängert wurde, werde ich nicht wie geplant mit den Kindern hier arbeiten. Das ist super schade, aber Pläne ändern sich hier gerne mal täglich; daran muss man sich auch erstmal gewöhnen. Somit nutzen wir jetzt die Zeit, um das neue Gebäude weiterzubauen und ich versuche den Erwachsenen ein paar Sachen beizubringen und ein paar Dinge voranzubringen. Der Kindergarten umfasst gerade 4 Grundstücke hier in Mafinga, die alle ziemlich weit auseinander verteilt liegen. Hier mal ein grober Überblick:

Das Hauptgebäude

In diesem Gebäude wurde der Kindergarten gegründet. Das Haus ist gemietet und verursacht somit monatlich Kosten, die immer mal wieder steigen. Hier ist meine Bleibe für 3 Wochen. Es gibt ein Hauptgebäude mit einem größeren Raum für die Baby Class und einen kleinen Raum, für den Mittagsschlaf für die Kinder - wobei der Raum nicht für alle reicht und somit auch der große Raum mitgenutzt wird. Es gibt ein Zimmer, in dem eine Lehrerin mit ihrem Baby lebt un zusätzlich gibt es noch einen Raum, in dem Freiwillige unterkommen. In dem Haus gibt es drei Toiletten, wobei eine als Abstellkammer dient. Toilette bedeutet hier gleichzeitig auch Dusche, da der kleine “Raum” das Badezimmer ist und der Abfluss die Toilette.

Im Garten steht ein weiteres Gebäude, in dem eine Küche, ein Speiseraum und ein Schlafsaal ist. Hinten angebaut ist eine kleine überdachte Feuerstelle zum Kochen für die Kinder.

Der Speiseraum hier mittig wurde zu meinem Zimmer umfunktioniert, da derzeit ja keine Kinder da sind. Draußen gibt es noch eine Hütte mit zwei Toiletten; mit einem Gitterfenster ohne Scheiben, keinem Schloss und einigen Spinnennetzen samt Spinnen, die sich vor allem abends und nachts auch sehen lassen. Das ist mein Badezimmer hier.

Draußen wurden mittels kleinen Holzhütten zusätzlich zwei Räume für die Middle und Upper Class geschaffen. Im Garten sind Beete, in denen Gemüse gepflanzt wird und es gibt hier einen Komposter, auf dem allerdings jeglicher Müll landet, der hier anfällt. Das ist in Tansania leider normal.

Meine Unterkunft

Im “Speiseraum” mussten die kleinen Bänke weichen und an der Stelle befindet sich jetzt eine Schaumstoffmatratze mit Kissen und Wolldecke sowie ein kleiner Tisch. Super simpel, aber es erfüllt seinen Zweck. Ich hab hier noch eine Wäscheleine gespannt und das ist auch schon meine Bleibe. Zwei Spinnen als neue Mitbewohner hab ich in meinem Zimmer. Die kommen abends immer die Wand runter und machen es sich hier bei mir gemütlich und morgens krabbeln sie wieder irgendwo unter das Dach. Gut, dass wir an meinem ersten Tag hier auf den Rat von einer anderen Freiwilligen hin, spontan ein Moskitonetz gekauft haben. Das ist zwar sehr klein, aber passt grad so über die Matratze und das Netz habe ich am ersten Abend gleich schätzen gelernt, da hier so einiges fliegt und kriecht.

Also eingewöhnen musste ich mich anfangs auf jeden Fall. Hier funktioniert alles einfach etwas anders und die Verhältnisse sind natürlich nicht mit unseren vergleichbar. Hier passsiert fast alles ohne Strom und alles braucht unfassbar viel Zeit. Kochen, Abwasch, Duschen, Wäsche waschen - Dinge, die bei uns nebenbei passieren, werden hier zu Tagesaufgaben.

Der zweite Standort

Das Gebäude wird dem Kindergarten für 5 Jahre kostenfrei von der Stadt zur Verfügung gestellt und ist auf jeden Fall in einem besseren Zustand als die anderen Gebäude. Hier sind zwei Klassenzimmer, wobei nur eine Klasse unterrichtet wird. Ziel ist bald 2 Klassen zu haben. Robert, der erste Mitarbeiter und Freund sowie Stellvertreter von Albert, lebt hier mit seiner Frau und seinen zwei Kindern. Es gibt noch zwei Zimmer für Freiwillige, in denen Stockbetten stehen. Im Garten gibt sogar eine Tonne für Plastik. Außerdem ist hier ein Hühnerstall, den Marcel (von world’s education) gebaut hat.

Das neue Gebäude

Um die Mietkosten zu sparen, hat Albert mit der Hilfe von Spenden von world’s education Land gekauft, auf dem gerade der neue Kindergarten entsteht. Das Land ist riesig und das erste Gebäude mit zwei Klassenzimmern sowie ein Haus für Toiletten, sind somit erst ein Anfang. Die beiden Häuser versuchen wir in meiner Zeit hier in Tansania fertigzustellen, sodass das angemietete Haupthaus umziehen kann. Langfristig soll der Kindergarten an dem neuen Standort richtig groß werden und dort eventuell auch eine Schule entstehen. Leider liegt das neue Gebäude sehr abseits und die Infrastruktur dort ist nicht die beste. Die Gegend drum herum ist ziemlich arm, was wiederum gut ist, falls hier mehr Kindern Bildung ermöglicht wird. Dennoch müssen die zahlenden Kinder aus der Stadt mit Autos gebracht werden. Langfristig wäre ein Bus eine sinnvolle Investition. Generell wird der Umzug auf gewisse Weise ein Neustart sein, da einige Kinder nicht mehr kommen werden und neue für den Kindergarten gewonnen werden müssen.

Das Maisfeld

Auch etwas abgelegen befindet sich ein Feld, das seit Kurzem gekauft wurde. Hier wurde Mais gepflanzt. Um mehr Kinder kostenfrei aufzunehmen, werden somit Kosten für Essen eingespart. Albert versucht das ganze Projekt sehr nachhaltig zu gestalten und hat sehr viele Ideen und große Ziele.

Was den Kindergarten besonders macht

Neben den nachhaltigen Ideen und Vorhaben, ist es besonders, dass abhängig von der finanziellen Situation der Familie, der monatliche Beitrag für die Kinder erhoben wird. Zudem wird regelmäßig mit den Eltern gesprochen, um herauszufinden, ob sich deren Einkünfte verändern und sie mehr oder weniger zahlen können. Da Albert für die Regierung im Bildungsbereich arbeitet, sieht er zum einen viel und hat viel Erfahrung und zusätzlich Zugang zu vielen finanziellen Informationen der Familien. Langfristig wird Albert seinen Job dort aufgeben und sich Vollzieht um den Kindergarten kümmern und diesen immer weiterentwickeln.

Ziel des Kindergartens ist es, nicht nur Kindern Bildung zu ermöglichen, sondern eine bessere Bildungsqualität zu bieten, als andere Einrichtungen. Und seit ich hier bin, habe ich selbst mitbekommen, dass Eltern vorbeikommen und ihre Kinder in den Kindergarten bringen möchten, da sie viel positives gehört haben. Da zeigt sich wieder, dass Mund-zu-Mund-Propaganda einfach die beste und ehrlichste Werbung ist und der Kindergarten wohl einen super Job macht.

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